Ratgeber · Altbau
Wärmepumpe im Altbau, geht das überhaupt?
Die kurze Antwort: Ja, in etwa 85 % der Häuser aus den Baujahren 1970–2000, wenn ein paar handwerkliche Grundregeln stimmen. Die lange Antwort, und wann wir ehrlich abraten, steht in diesem Artikel.
Zuletzt aktualisiert: 22.07.2026 · 7 min Lesezeit · Autor: Meisterbetrieb Jacky Heizung
Der eine Wert, der über alles entscheidet: die Vorlauftemperatur
Wärmepumpen arbeiten dann effizient, wenn die Vorlauftemperatur am Auslegungspunkt (–12 °C in Weil der Stadt, –10 °C in Böblingen) unter 55 °C bleibt. Idealer Bereich: 40–50 °C. Je niedriger, desto höher die Jahresarbeitszahl.
Wir messen die tatsächlich benötigte Vorlauftemperatur an einem kalten Tag im Bestand, nicht aus der Herstellerangabe der alten Heizung. Oft stellen wir fest, dass die alte Ölheizung mit 70 °C gefahren wird, das Haus aber auch mit 52 °C warm wird.
Heizlast statt Bauchgefühl
Nach DIN EN 12831 rechnen wir die Norm-Heizlast raumweise. Für einen typischen Altbau mit 150 m² kommen 7–11 kW heraus, deutlich weniger als die 24 kW, die im alten Ölkessel stecken. Dieser Rechenschritt ist die Grundlage für Gerätewahl, Heizkörper-Tausch und Förderantrag.
Wann wir ehrlich abraten
- Ungedämmter Fachwerkbau vor 1948 mit spezifischer Heizlast > 140 W/m² — dann zuerst Fassade und Dach dämmen.
- Einrohrheizung, die nicht auf Zweirohr umgebaut werden kann.
- Keine Aufstellmöglichkeit außen ohne Nachbar-Grenzabstand nach TA-Lärm.
- Denkmalgeschützter Bestand ohne Möglichkeit, Heizkörper oder Verrohrung zu tauschen.
In diesen Fällen empfehlen wir eine Hybridlösung (Wärmepumpe + vorhandene Gasbrennwerttherme für die Spitzenlast) oder eine Solarthermie-Kombination, beides fördern wir mit demselben KfW-458-Programm.
Vier Fragen, die wir vor jedem Angebot klären
- Welche Vorlauftemperatur läuft heute? (Messung an einem kalten Tag)
- Wie groß ist die Heizlast pro Raum? (DIN 12831)
- Welche Heizkörper reichen bei 45 °C aus, welche müssen getauscht werden? (Datenblatt-Abgleich)
- Wo darf die Außeneinheit stehen? (TA-Lärm, Grenzabstand, Kondensat, Servicezugang)
Erst wenn diese vier Punkte auf dem Tisch liegen, schreiben wir ein Angebot. Alles andere ist Kaffeesatzleserei.
Häufige Fragen
- Ab welcher Vorlauftemperatur wird die Wärmepumpe unwirtschaftlich?
- Bei einer Auslegungs-Vorlauftemperatur über 60 °C sinkt die Jahresarbeitszahl (JAZ) meist unter 2,8. Dann wird der Strombedarf so hoch, dass eine Wärmepumpe gegenüber einer Gasbrennwertheizung wirtschaftlich schwer zu rechtfertigen ist, es sei denn, man akzeptiert die Anlage als Klimaschutz-Investition mit Amortisationszeiten jenseits von 15 Jahren.
- Muss der Altbau vor dem Einbau gedämmt werden?
- Nein, nicht zwingend. Entscheidend ist die spezifische Heizlast in W/m². Bis 100 W/m² läuft eine korrekt ausgelegte Wärmepumpe zuverlässig, auch ohne umfassende Dämmung. Bei 100–120 W/m² lohnt sich vorab die Dämmung der obersten Geschossdecke; darüber sollte ein Energieberater den Einzelfall bewerten.
- Reicht der bestehende Heizkörper aus?
- Wir prüfen jeden Heizkörper mit Herstellerdatenblatt und aktueller Raumheizlast. In der Regel tauschen wir 2–5 Heizkörper gegen Typ-33-Modelle oder Niedertemperatur-Konvektoren. Ein Komplettaustausch ist selten nötig.
- Ist der hydraulische Abgleich Pflicht?
- Ja. Ohne einen dokumentierten hydraulischen Abgleich nach Verfahren B (raumweise Heizlastberechnung) zahlt die KfW keinen Zuschuss aus. Wir führen den Abgleich immer vor Inbetriebnahme durch und dokumentieren ihn digital.
Nächster Schritt
Konkretes Angebot statt Prospektwerbung.
Wir schauen uns Ihr Gebäude vor Ort an, rechnen die Förderung ehrlich durch und liefern ein Festpreis-Angebot. Meisterbetrieb aus Weil der Stadt.